Erstsemester-Blog

Alexandra Wolf (Ersti 2011)Alexandra Wolf (Ersti 2011)  |  8. Februar 2012, 17:17

First Exam II

Ich möchte wütend sein und mich ärgern – so wie die anderen. Doch eigentlich bin ich einfach nur traurig…

Nach monatelangem Kopfschütteln und Fragezeichen über meinem Kopf hatte ich es doch endlich begriffen! Ich war so stolz auf mich, dass ich unter all dem Fach-Chinesisch endlich eine Art Linie fand, die für mich Sinn ergab.

Doch als ich nach der Prüfung aus dem Raum schlurfe und noch ein paar Minuten davor stehenbleibe, wiederholt sich die selbe Szene immer und immer wieder: Jemand gibt seinen Test ab und kommt heraus. Erster Satz: “Man, war das Sch****!” Zweiter Satz: “Wisst ihr, was Forschungsdesign ist?” Allgemeines Kopfschütteln und resignierte Blicke in der Runde. Noch nie davon gehört. Immer und immer wieder dasselbe.

Fachdidaktik… Was soll gelehrt werden, Warum und Wie? Ja! Es ist wichtig! Aber doch nicht so! Könnt ihr die Dinge, die ihr lehrt bitte auch umsetzen?! Ein einziger Test mit vielleicht zwanzig Fragen nach Begriffen, die ich nie wieder brauchen werde. Inhalte und das, was ich für´s Unterrichten benötige? Fehlanzeige. Ich habe so viel Didaktik gelernt, doch wenn ich an Situationen aus dem Schulalltag zurückdenke, die ich während meiner Schulpraktika erlebte, finde ich kaum etwas von dem, was ich für diesen Test hätte wissen müssen…

Lasst mich Referate halten, lasst mich Hausarbeiten schreiben, führt die Mündliche Leistung wieder ein – egal was – aber es kann doch nicht sein, dass zehn Begriffe und zehn Kreuzchen entscheiden sollen, ob ich Didaktik verstanden habe und dafür verantwortlich sind, ob ich den Kurs bestanden habe oder nicht?!?!

Und jetzt? Die anderen reden von Frust-Shopping, Frust-Essen, Frust-Saufen… aber ich möchste mich einfach irgendwo verkriechen und schlafen…

 

 

 

I want to be angry – like all the others. But actually I´m only sad…

Months passed with head-shaking and question marks above my head but finally I thought that I got it! I was proud of myself that I finally found under all this gobbledygook kind of a line which made sense to me.

But after the exam I scuffle out of the room and just stand for some minutes with the others while the same scene is repeating itself over and over again infront of my eyes: Somebody hands in his/her test and comes out of the room. First sentence: “What a S***!” Second sentence: “Do you know what study design is?” General head-shaking and resigned looks around. Never hear about that before. Over and over again.

Teaching methodology… What to teach, why and how?Yes! It is important! But not like that! Can you please put into practise what you teach?! Just a little test with maybe 20 questions about terms I´ll never need again. Content and everything I´ll need for teaching myself? No chance! I´ve learned so much about didactics in the last months but looking back on what I´ve learned during my practical teaching – I´ll never need the stuff I would have to know for passing this test…

Let me do presentations, let me write homeworks and seminar papers, let me make an oral exam so that I can tell you what I know – doesn´t matter what – but you cannot mean that serious: Ten terms and ten times putting little crosses have to decide if I have understood didactics and they are responsible for me passing the course or not?!?!

And now? The others speak about frustration-shopping, frustration-eating, frustration-boozing… but actually I just want to hole up somewhere and sleep…

 

photo © by Christoph Hübener (http://www.christoph-huebener.de)

6 Kommentare zu “First Exam II”

  1. Chris

    Das Foto kenn ich :-D

  2. Laura

    Na komm schon – klar, der Test war in einigen Teilen doof gestellt und hätte sinnvoller mit dem Thema Fachdidaktik umgesetzt werden können. Aber das war klar, sobald der Übungstest hochgeladen wurde, dort konnte man sich mit der Art der Fragen vertraut machen. Und abgesehen davon war der Test gut zu beantworten – viele Antworten, die genauso in der Vorlesung behandelt wurden ;)
    Also nicht wegen ein paar blöden Fragen alles verteufeln und melancholisch werden.
    Im nächsten Semester wird die Note vervollständigt und wenn man unzufrieden mit diesem Semester ist, hat man noch gut die Chance etwas zu ändern. Also Kopf hoch und positiv denken.

  3. Alexandra Wolf (Ersti 2011)

    Hallo Laura :)
    Danke für deinen so lieb geschriebenen Gegenkommentar! :) Nein ehrlich!
    Also ich fertig war mit Schreiben ging es mir schon viel besser – einfach mal alles raus, das mache ich nur selten… Aber es war mir wichtig…
    Trotzdem hast du recht, in solchen Momenten sieht man nicht besonders klar ;)
    Sicher, wenn ich mich während des Lernens mehr auf die Begriffe konzentriert hätte, wäre es einfacher geworden… aber der Inhalt war mir wichtiger, etwas, was ich mit in die Schule nehmen kann…
    Aber es stimmt, es bringt nicht viel, jetzt noch zu maulen… lieber nach vorne sehen :)
    (aber vielleicht liest das hier ja mal jemand in Verantwortung und denkt sich eine neue Art des Tests aus?!) ;)

  4. Linda Scheffler

    Liebe Alex, oh wie ich dir zustimme! Ich hab in meinem Eintrag darüber diesmal nicht soooo viel Dampf abgelassen und stattdessen den Literatur-Test in den Himmel geblobt, aber im Grunde sprichst du hier für uns beide – bzw. für uns alle! Manche Fragen waren wirklich weit ab von der Schussbahn, das war schade. Aber hey – das wird schon alles irgendwie passen ;) Die können ja auch schlecht den halben “Jahrgang” wiederholen lassen, oder…

  5. Alexandra Wolf (Ersti 2011)

    Du hast Recht, Linda :) Mittlerweile blicke ich etwas gelassener zurück aber wurmen tut es mich trotzdem… warten wir es ab… Weißt jemand, wann wir ungefähr Bescheid kriegen?

  6. Nicolas

    Hallo,

    also zunächst einmal – ich fand den Test auch nicht gut. Gemessen daran, wie oberflächlich die Vorlesung gehalten wurde, ging er eindeutig viel zu sehr in die Tiefe. Ich studiere schon 5 Semester und habe schon einige Vorlesungen und Klausuren hinter mir. Daher erlaube ich mir, das mal zu sagen.

    Was die Praxisferne angeht; man muss eben bedenken, dass es sich um eine Grundlagenveranstaltung handelt. Zu einem Studium gehören auch einige wichtige theoretische Hintergründe bevor man in die Praxis einsteigt. Spätestens, wenn wir nächstes Semester das Stundenmodell erstellen müssen, gehts doch schonmal in eine wesentlich praxisbezogenere Richtung! Und dann gibts ja noch die Didaktik-Aufbaumodule ;-)