Erstsemester-Blog

Annika Schimmelpfennig (2011)Annika Schimmelpfennig (2011)  |  20. Januar 2012, 18:15

Studienentscheidung – “Und warum machst du jetzt Biologie?”

Neulich hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem der Handballmädchen, die ich trainiert hatte. Ich nenne sie hier jetzt mal Jenny, 16 Jahre alt.

Jenny trainiert seit 4 Jahren Handball, zwei davon bei mir. Leider musste ich die Mannschaft letztes Jahr aus zeitlichen Gründen abgeben, aber da ja alle irgendwie ind er Nähe wohnen, trifft man sich von Zeit zu Zeit mal auf der Straße, beim Einkaufen oder beim Dönermann. Jenny hatte ich nach all der Zeit mal wieder getroffen und sie hatte mich direkt auf mein Studium angesprochen, weil sie ja nun in die 11. Klasse kommt und was für Leistungskurse sie nehmen sollte, wenn sie ja noch gar nicht weiß, was sie studieren soll. Ich schlug ihr vor, dass sie mich mal anrufen sollte, weil zwischen Knoblauchsoße und Dönerfleisch lässt sich sowas nicht gut bequatschen. Dabei hatte sie mir ein paar Fragen gestellt, auf die ich noch nicht gekommen bin, hier darüber zu schreiben und die mir damals auch durch den Kopf gingen. Ich schreib hier mal die wesentlichen Dinge auf.

Jenny: Wir müssen ja Leistungskurse wählen, aber ich weiß nicht, was ich nehmen soll. Ich hab ja auch noch gar keine Ahnung, was ich studieren will.

Moi: Mach was dir Spaß macht. Und nimm Fächer, die dir am leichtesten fallen, um einen guten Schnitt zu bekommen.

Jenny: Aber müssen LKs und der Studiengang nicht übereinstimmen?

Moi: Nein. Ich hatte Deutsch und Geschichte LK. Und studiere Biologie. Man hat keinen wesentlichen Nachteil. Hauptsache, die Motivation stimmt. Ein Kommilitone von mir hatte Sport, Mathe und Bio Leistung. Ich kann nicht erkennen, dass irgendwelchen großen Vorteile hat ;-) Wichtig ist, dass dein Abischnitt ausreicht um den Studiengang zu machen, der dir auch wirklich gefällt. Sprich, je besser er ist, desto weniger Einschränkungen und kürzere Wartezeiten hat man.

Jenny: Und wenn mein Schnitt nicht ausreicht?

Moi: Keine Panik. Es gibt noch so etwas wie Nachrückverfahren, Losverfahren und zum Schluss noch den Klageweg – und wenn alles nichts hilft machst du ein Jahr im Ausland, FSJ, FÖJ oder irgendwas anderes. Deine Wartesemester werden dann beim nächsten Bewerbungsdurchgang angerechnet.

Jenny: Aber dann verliere ich doch Zeit!

Moi: Ich würde dir sogar eher dazu raten, zwischen Schule und Uni eine (Lern-)Pause einzulegen. Mal was anderes sehen und erleben als ständig nur Schule. Ich habe nach dem Abi eine Ausbildung gemacht – und dabei mehr gelernt, als das, was auf meinem Zeugnis steht. Und mit Abi kannst du in vielen Fällen die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen. Und neben deinem Studium stundenweise in deinem erlernten Beruf arbeiten – zu einem fairen Stundenlohn.

Jenny: Was hast du gelernt?

Moi: Medienkauffrau Digital und Print :-) Ich wollte unbedingt etwas mit Büchern machen. Deswegen bin ich in einen kleinen, aber feinen Oldenburger Cartoonbuchverlag gegangen. Und dort arbeite ich auch jetzt noch neben der Uni. Ist ganz praktisch.

Jenny: Naja, wär wohl eher nicht so mein Ding … Mal ne andere Frage: Warum hast du dich jetzt eigentlich für Bio entschieden? Wenn du doch den Deutsch LK hattest und die passende Ausbildung dazu und gefallen hatte es dir doch auch, oder nicht?

Moi: Ich habe in meiner Ausbildung eine ganz wichtige Sache erkannt: Ich will keinen Beruf haben, in dem ich zu 100% meiner Arbeitszeit am PC in einem Büro verbringe. So ein wenig ist ja okay, ganz drum herum kommt eh kaum noch, aber mehr als die hälfte meiner Arbeitszeit möchte ich nicht am Computer sitzen müssen.

Und zu wissen, was man NICHT will, kann auch schon weiterhelfen. Ich hatte dann eine Zeit überlegt, Lehrerin zu werden. Das Training mit euch hat echt Spaß gemacht, und mit den Kleinen macht es auch jetzt noch Spaß, aber ich bin eigentlich ganz froh, dass es bei ein bis zweimal in der Woche bleibt. So als Freizeit ist es eine Sache. Aber im Beruf jeden Tag mit Kindern oder Jugendlichen … das konnte ich mir dann doch nicht vorstellen.

Jenny: Also wusstet du zwei Dinge, die du auf keinen Fall machen möchtest: Im Büro sitzen und mit Kindern arbeiten.

Moi: Richtig. Ich hatte aber als Kind den Traum gehabt, irgendwann mal was mit Tieren zu machen. Ich habe immer im Fernsehen Jaques Cousteau geguckt – ein Meeresbiologe – und viele Dokus über Tierauffangstationen in Asien und Afrika. Irgendwann wurde ich älter und dachte, na, das wird ja sowieso nichts, lieber etwas, das man hier in Deutschland arbeiten kann. Dennoch war Bio neben Deutsch mein Lieblingsfach und ich hatte es nicht schwer, dafür zu lernen. Es interessierte mich einfach. Tja und dann, als die Bewerbung fürs Studium näher kam, und ich mich für alles mögliche interessiert hatte und nicht wusste, was ich machen sollte, fiel mir meine alte “Leidenschaft” wieder ein. Ich hatte mich dann mehr oder weniger spontan für den Fach-Bachelor Biologie entschieden, mit dem Hintergedanken, dass ich im Falle eines Falles ja noch wechseln kann.

Jenny: Das geht?

Moi: Klar. Jedem steht das Recht zu, seine Meinung zu ändern oder sich geirrt zu haben. Das erkennt sogar das Bafögamt an.

Jenny: Das wäre meine nächste Frage: Was ist Bafög?

Moi: Da guckst du am besten bei studis-online.de Da gibt es sogar einen Online-Rechner, der dir deinen Bedarf ausrechnet, falls du überhaupt einen hast. Das hängt vom Verdienst deiner Eltern ab. Kurz gesagt ist Bafög ein zinsloser “Bildungskredit”, wovon dir die Hälfte geschenkt wird und du maximal 10.000€ Schulden am Ende hast. Ist im Grunde eine gute Sache, aber nicht immer ganz einfach. Ich hatte jedoch mit dem Bafögamt in Oldenburg nur gute Erfahrungen gemacht. Ist aber trotzdem viel Papierkram.

Jenny: Du hast dich also auf gut Glück für Bio entschieden, weil es dir Spaß macht. Ist das nicht genau das Falsche?

Moi: Das kann man so oder so sehen. Früher dachte ich auch so. Ich bin inzwischen jedoch zu der Meinung gekommen, dass es der einzig richtige Weg ist. Was will ich 40 Jahre in einem Job, der mich anödet?

Jenny: Und was willst du mit einem Studium, mit dem du keinen Job findest? Ganz ehrlich: Ich hab nur schlechtes über die Berufschancen von Biologen gehört. Dann doch besser Chemie, oder nicht?

Moi: Ich hab vor dem Studium auch nur schlechtes gehört. Das liegt aber daran, dass auch nur die, die unzufrieden sind, sich beschweren und ihr Leid in die welt hinausschreien. In einem Gespräch mit unserem Dozenten kam heraus, dass im letzten MA-Absolventenjahrgang alle etwas in der Biologie gefunden haben. Was mir natürlich klar ist: In der Biologie läuft nichts ohne mindestens den Master zu haben. Der Bachelorabschluss ist in der Biologie nichst wert. Und wenn ich mir den Lehrplan so anschaue, dann kommen dir wirklich interessanten Themen und Projekte auch erst im Master.

Jenny: Ist das in anderen Fächern auch so?

Moi: Keine Ahnung^^ Aber im Lehramt geht ohne Master gar nichts. Im Allgemeinen stellt sich mir langsam die Frage nach dem Sinn dieser Umstellung auf das “neue” System. Aber es gibt bestimmt auch Studiengänge, bei denen du mit dem Bachelor schon qualifiziert genug bist. Aber das sind Themen, über die du dich im Studium noch genug aufregen wirst, mach dir jetzt da noch keinen Kopf drum.

Wenn dir etwas an einer Fachrichtung liegt, und du motiviert bist, dann findest du auch was. Klingt ein bisschen sehr optimistisch, aber ich habe das in meiner Ausbildung von zig verschiedenen Leuten jeglichen Alters und allen möglichen Positionen gehört, von der Studienberatung, einem Professor und einem Doktor. So langsam bin ich auch davon überzeugt.

Jenny: Apropro Studienberatung: Bringt es was, dahin zugehen?

Moi: Mir hat es mehr gebracht, dass ich auf der Uni-Seite unter “Schnupperstudium” geguckt habe, in welche Veranstaltungen ich mich mal einfach so reinsetzen darf. Ich war im März, Monate bevor ich mich bewerben konnte, in der Vorlesung von Allgemeiner Biologie. Und das war der Moment, in dem mir klar wurde: Jup, das ist dein Studiengang. Dann habe ich unter Lehrveranstaltungen geschaut, was es so für Module gibt und wie die Beschreibungen sind … Ich fand das alles sehr gut und freute mich darauf. Ich war auch bei Prof. Zotz und hatte ihn noch gefragt, ob ich lieber Biologie oder Umweltwissenschaften machen sollte – er riet mir zur Biologie. Natürlich :-)

Aber sicher sein kannst du dir erst, wenn du die ersten Wochen erlebt hast und die Prüfungen anstehen. Prüfungsphase ist immer doof, aber wenn du selbst dann noch sagen kannst: Trotz allem ist das hier mein Studiengang, dann Glückwunsch.

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