Erstsemester-Blog

Annika Schimmelpfennig (2011)Annika Schimmelpfennig (2011)  |  29. Februar 2012, 20:05

Wattwürmer und Muschelschalen

Die 16. Woche Uni am Stück ist angebrochen … und man merkt, es schlaucht doch sehr, wenn man nicht mal ein, zwei Wochen ein wenig Ruhe hat. Okay, Weihnachten hatten wir auch kurz Pause … aber wie gesagt, wir sind k.o. Und es folgen noch eineinhalb Wochen Fauna, sowie 6 Wochen lang 2x/Woche Chemiepraktikum, das fließend bereits ins Sommersemester übergeht.

Und ja, ich habs geschafft: Einige Tage musste ich zittern und bangen, doch nun steht endlich fest: ich habe Chemie bestanden! Juhu, ich hatte schon so richtig Schiss. Zwar nur knapp, aber durch ist durch. Und diese eine weniger tolle Note werde ich mir gönnen, ich habe keinen Nerv mehr, mich noch mal an Chemie zu setzen für den Freiversuch. Wir können übrigens Module im “Wert” von 18 KP aus der Endnote streichen. Es steht dann zwar im Bachelor-Zeugnis drin, aber wie gesagt, diese 18 KP fließen nicht mit ein. Chemie werde ich definitiv streichen. Bleiben noch 6 KP, für die ich wahlweise Mathe, Physik oder Biochmie einsetzen werde. Klingt gut? Bei vorausgegangene Studi-Generationenen wurden die beiden ersten Semester nicht mit eingerechnet… Bleibt offen, was unsere Nachfolger noch so für Optionen haben werden.

Aber zurück zum Thema: Flora und Fauna: Teil Fauna. 5 KP in zwei Wochen. Dann Klausur. Täglich von 9-12:45 Uhr erst Vortrag dann die Bestimmungsübungen. Und joa, also das ist glaube ich der Tei lim Bereich Biologie, den ich als typisch bezeichnen würde: kauzige Biologen mit langen Haaren und Bart kriechen in der Botanik umher mit einem Buch in der Hand und sammeln alles ein, was nicht Niet- und Nagelfest ist, um es auszumessen, zu wiegen, aufzuschneiden und in alle Richtungen zu drehen. Dabei gucken sie immer wieder ins Buch und murmeln leise “Nein, nein, nein, ja … weiter zu 13 … 13-Sternchen nein, 14 nein, 14-Sternchen nein, weiter zu 34 …” Was das bedeutet? Nun, so funktioniert ein “Bestimmungsschlüssel” und damit kann man Organismen bis auf die Unterart genau bestimmen. Wenn man einen guten, aktuellen Schlüssel hat. Und viel, VIEL Geduld.

Okay, wir kriechen nicht in der Walachei umher, wir sitzen im Botanik-Raum und haben unsere Präparate. Aber Geduld und Ausdauer brauchen auch wir. Auf dem Foto könnt ihr ein Präparat aus dem 2. Kurstag unter einem Binokular sehen und unseren Bestimmungsschlüssel, den “Stresemann” (Fachbücher haben generell keine Titel mehr, nur noch Namen.”Campbell”,”Purves” “Mortimer”, “Stresemann”, “Kükenthal”, “Brohmer” und “Schmeil-Fitschen” sind nur einige wenige, die mir im ersten Semester begegnet sind)

Eigentlich ist das Modul ganz cool, denn es wiederholt die Inhalte aus Zoologie und wer dafür gut gelernt hat, hat jetzt keine Probleme. Es sind jedoch auch einige dabei, die schon im 3. Semester sind oder schon im Master und bei denen das Modul “OrgBio” schon lange her ist. Daher wird alles doppelt und dreifach durchgekaut, habe ich das Gefühl. Nach etwa 60-90 Minuten Vortrag über eine bestimmte Tiergruppe dürfen wir bestimmen. Das ist recht mühsam und anstrengend. Oft muss man einige Schritte auch wieder zurückgehen, manchmal ist der Schlüssel schlicht unpräzise oder unvollständig. Allein die kurzen “Fragen” mit tausend Abkürzungen zu lesen ist nicht ganz einfach. Ist man nach zig Stationen endlich bei der Art angekommen, gibt es noch ein paar Informationen über die Art und ihr Verhalten, ihr Vorkommen und Fortpflanzungsstrategien. Es wäre sicher spannender, wenn es sich um exotische, unbekannte Arten handeln würde, über abgefahrene Käfer oder bunte Raupen. Aber da wäre der Bestimmungsschlüssel zu aufwändig (Der Stresemann Band 1 listet nur alle Wirbellosen aus Deutschland auf). Dann ist das eben der Wattwurm, die Strandschnecke und die Miesmuschel (die gute alte Mytilus edulis, die wir in Zoologie schon auseinandergenommen haben). Der Brohmer soll vollständiger sein, aber nicht so toll zu handlen. Naja, werden wir nächste Woche ja sehen.

Dies ist also mein erstes, biologisches Nicht-Pflichtmodul. Warum sollte man das also belegen? Ganz einfach: Es ist, denke ich, nicht so schwer, das Modul gut zu bestehen und man lernt ein wichtiges Werkzeug der Biologie kennen: Den Bestimmungsschlüssel. Man kann ja nicht alle abermillionen Arten der Welt auswendig kennen, aber wie man herauskriegt, zumindest so ungefähr, was man da so vor sich hat, sollte ein Biologe schon wissen. Und auch wer Lehrer werden will, sollte das Modul durchaus belegen. Es ist schon eindrucksvoll, wenn man mit seiner Klasse zum Strand oder ins Watt fährt und mit jeder Muschelschale sagen kann, was für eine Art darin gelebt hat.

Aber auch wie in Zoologie darf man kein Problem mit toten Tieren haben. Muschelschalen und Schneckenhäuser wird wohl kein Problem sein, aber tote Wattwürmer waren heute schon Stein des Ekels. Ich hab kein Problem damit – tote Würmer sind einfach nur schwerer zu betrachteten, weil die so herumschwabbeln …

Gute Sache!

 

 

3 Kommentare zu “Wattwürmer und Muschelschalen”

  1. Sarah

    Hallo Annika,

    toller Blog. Ich lese ihn wirklich immer gerne.
    Es ist schön zu lesen, wieviel Spaß du am Studium hast.

    LG Sarah

  2. Gast

    Hi Annika,

    dein Blog liest sich wirklich gut… In einem Punkt muss ich dir allerdings widersprechen; ich gehöre zur ersten BA-Generation Bios in Oldenburg und auch bei uns war’s bereits so, dass wir 18 cp aus der Benotung herausnehmen konnten und keinesfalls, dass die ersten 2 Semester nicht gezählt haben…
    (das blieb wohl nur den Diplomanden im Grundstudium vorbehalten)

    Ansonsten noch viel Spaß und gutes Gelingen,

    LG

  3. Annika Schimmelpfennig (Ersti 2011)

    Hi!

    Kann sein, dass es bei den Bios immer schon so war, danke für die Info. Also das mit den vorangegangenen Studenten habe ich von meinem Mann, der in seiner Sportgruppe einen Masterabsolventen der Informatik hat und der durfte das beim Abschluss seines Bachelors so machen. Er war recht überrascht, dass es nun nicht mehr so ist.
    Anscheinend macht jede Fakultät und jeder Studiengang wieder seine eigenen Regeln … Aber bei denen ist das inzwischen auch so.
    Ich finde diesen Druck aufgrund der Noten nicht gut. Ein Bestanden oder Nichtbestanden wäre ausreichend und je nachdem, wie gut die Grundlagen sind, wird auch die Bachelorarbeit gut sein. Denn diese Noten vermiesen manches schon extrem.

    LG
    Annika