Erstsemester-Blog

Annika Schimmelpfennig (2011)Annika Schimmelpfennig (2011)  |  14. Dezember 2011, 18:28

Zigaretten, “Weihnachtskerzen” und Massenaussterben im Hörsaal oder: “Knall, peng, zisch … aahwww!”

Unglaublich. Dass ich Chemie mag, ist ja nun kein Geheimnis mehr, auch wenn ich mit den ganzen Orbitalen noch nicht wirklich zurechtkomme ( bis vor 8 Wochen habe ich noch im Kugelmodell gedacht, jetzt reden wir von Elektronen, die “um den Kern verschmiert” sind [wer denkt sich nur so einen Kram aus?]…). Und heute drohte es wieder einmal extremst langweilig zu werden (die letzten Vorlesungen hatten wir im Tutorium montags bereits knackig zusammengefasst und durchgekaut und die Vorlesung stellte die Langversion dar), als Stichworte wie “flüssiger Sauerstoff” “Wasserstoff” und “Spaß haben” unsere Köpfe von den Tischen hochschnellen ließen. Mit Sauerstoff und Wasserstoff kann man eine Menge Spaß haben…

Erwartungsvolle Spannung, denn wir hatten die Gasflaschen vor dem Pult nicht übersehen, nur nicht damit gerechnet, dass sie zum Einsatz kamen. Ein Labormensch, wie er im Buche steht, erscheint im Seiteneingang, graue, wuselige Haare, weißer Kittel, ein fast schon kindlich strahlendes Lächeln … Supervorstellung! Unser Prof wollte uns erstmal experimentell beweisen, dass Sauerstoff im flüssigen Zustand (bei lauschigen -183°C) durchaus magnetisch ist. Okay, spaaaaaaannend, wie so ein paar Tropfen über einen Magneten perlen… den restlichen Sauerstoff, der munter vor sich hindampfte, stellte unser Labororiginal aufs Pult, während der Prof Zigaretten schnorrte. Ja, richtig, Zigaretten :-)

Er hatte auch tatsächlich jemanden gefunden, der ihm zwei “lieh”. Eine zündete er sich sogleich unter allgemeinen Heiterkeitsausbrüchen genüßlich an, zog ein paar Mal und warf sie dann mehr oder weniger beiläufig in den vor sich hinwabernden, bläulichen(!) Sauerstoff. Ui, das gab eine schöne Lichtfontäne, die sich da in unsere Netzhaut brannte. Sehr schön, und das kurz vor Sylvester.

Alles im Sinne der Wissenschaft natürlich und unter “Einsatz hoher gesundheitlicher Risiken” ;-) Herrlich. So, wie man sich Chemie vorstellt.

Aber der Zaubervorstellung nicht genug, gabs noch ein wenig H2O2-Lumineszenz und eine Wasserstoff-”Weihnachtskerze” in einer handelsüblichen Dose mit lautem Peng :-) Ein zweites lautes Peng war dann noch ein wenig lauter, aber da hatten sich dann schon alle an den Trick mit dem offenen Mund erinnert ;-)

Falls jemand ein Foto von der Vorlesung gemacht hat, immer her damit ;-)

Aber auch Biologie wird immer interessanter. In der “Allgemeinen Biologie” Vorlesung hatten wir nun die Dinos kurz angeschnitten und hey, was gibt es cooleres als Dinos?! Ich war jedenfalls glücklich, ein bisschen zumindest, und auch die Ursachen von Massenaussterben wurde beleuchtet – denn wir sind ja schließlich mitten in einer Aussterbe-Phase. Was im Übrigen auch auf die Hörsäle (Hörsääle? Hörsaäle? Hörsäale? Germanisten, helft!) zutrifft. Schwund ist überall, sagt der Volksmund und so langsam muss man auch in Chemie nicht mehr eine dreiviertel Stunde früher da sein, damit man noch einen Sitzplatz mit Tisch bekommt, wir sind schon bei 25 Minuten. Also Mittwochs morgens bekommt man um 10 vor acht noch einen Platz an einem Tisch …

Die anderen Vorlesungen waren zwar auch immer gut besucht, aber mit 240 eingetragenen Leuten noch handlebar (zum Vergleich: in Chemie waren anfangs 412 Leute eingetragen – der Hörsaal hat aber nur 300 Plätze …) und so langsam lichten sich die Reihen. Das hat allerdings weniger mit Abbrechern zu tun, sodern mit der Einstellung: “Vorlesung? Wozu? Krieg doch die Folien.” Umso besser für die, die hingehen^^

In einigen Vorlesungen mag es sinnig sein. Ich erlebe das ja bei Informatik auch mit, dass das Skript so gut ist und alles in den Tutorien besprochen wird, dass die Vorlesung überflüssig wird. Wer allerdings überlegt, Bio zu studieren, sollte entweder bereits richtig Ahnung haben (und ich meine keinen LK Bio in der Schule – der Stoff wurde bereits in den ersten zwei, drei Vorlesungen behandelt und abgehakt), oder einfach hingehen.

Denn sonst verpasst man eben doch das ein oder andere ;-)

Ein Kommentar zu “Zigaretten, “Weihnachtskerzen” und Massenaussterben im Hörsaal oder: “Knall, peng, zisch … aahwww!””

  1. Alexandra Wolf (Ersti 2011)

    Cooler Text – musste echt grinsen :D