Erstsemester-Blog

Elisabeth Schindler (Ersti 2010)Elisabeth Schindler (Ersti 2010)  |  15. Januar 2011, 22:44

Moin, ich arbeite hier als Titel. Und selbst so?

Genau heute in einem Monat (15.2.) ist werde ich gegen 14Uhr Gebäude A08  verlassen und tief durchatmen. Dann werde ich alle Gedanken an eventuelle Fehler in der gerade geschriebenen Russisch-Klausur beiseiteschieben und mir einen neuen einpflanzen: Soso, das war’s, das erste Semester! :)

1 UP. Mission erfolgreich abgeschlossen… also, äh, bald. Die erste von, äh, sechs. Ich bin bisher rundum gut durchs Semester gekommen und gehe beinahe vorfreudig an die Prüfungsphase ran. Neugier eben, außerdem mag ich die Herausforderung an sich… quasi wie im Abi: „Och ja, halt ma schaun was ich so weiß…“

Wie ich in Dennis letztem Eintrag gelesen habe, wird er satte 6 Prüfungen schreiben, wowoWOW. Hieran mag sich meine Gelassenheit gegenüber der Prüfungen erklären, denn ich muss nur 3 Klausuren schreiben: Pädagogik (unbenotet), Arabisch und Russisch. In meinen anderen Fächern habe ich die Prüfungsleistungen schon während des Semesters erbringen können: ein Sitzungsprotokoll in Managing Diversity sowie eine Arbeitsergebnis-Portfolio in Sozialforschung (unbenotet). Ich bin ganz froh über diese Entlastung, denn meine Sprachen bringen wirklich einen enormen Lernaufwand mit sich. Und da sich das auch im kommenden Semester nicht ändern wird, nehme ich mir schonmal vor, so viele PL wie möglich schon während des Semesters durch Referate etc zu erbringen. Russisch werde ich (trotz Ausstieg aus der Slavistik) weitermachen – und in Arabisch will ich mir als einer der wenigen last men standing nicht die Blöße geben und das Handtuch werfen, zumal ich damit auf einen mehrmonatigen Aufenthalt  2012 in Betlehem/Palästina zuarbeite.

Ich habe das Gefühl, mir während des Semesters schon einen wirklich guten Überblick verschafft zu haben, „angekommen“ zu sein und ich muss sagen, ich fühle mich im Studiengang „am rechten Platze“. Allerdings bin ich auch sehr froh, dass ich meinen Studienalltag durch Zweitfach und Professionalisierungsbereich so kontrastreich schattieren kann. Ich mag es nicht, mich ausschließlich auf eine Sache konzentrieren zu müssen, weil ich so viele verschiedene Interessen verwirklichen möchte. Nur Pädagogik 24/7 würde mir vermutlich auf lange Sicht die Lust daran rauben.

Das gleiche gilt bei mir auch für Studium 24/7, auch hier hab ich mir inzwischen ausreichend interessante Kontraste geschaffen, für die ich mir regelmäßig Zeit nehme. Da ist einmal die Mitarbeit bei der Interkulturellen Arbeitsstelle IBIS e.V., wo ich bei Alphabetisierungskursen sowie mit Nachhilfestunden im Rahmen der Integrations(deutsch)kurse aushelfe. Seit Jahresbeginn bin ich zudem aufgeklärt vom vegetarischen in das vegane Lager gewechselt und engagiere mich in der Oldenburger Basisgruppe der Veganen Gesellschaft Deutschland. Sport und kreative Dinge baue ich ein, so oft wie es mir zeitlich bzw. inspirativ in den Kram passt, kommt aber leider meist zu kurz. Ein Fahrrad würde mir bei ersterem sehr helfen, da das Gegurke vom Wohnheim bis zum McFit in Nadorst per Bus echt an ne Halbtagesunternehmung grenzt.

Um bei all dem quatrolingualen Sprachinput, dem ich mich aussetze, nicht (erneut) das Deutsche zu „verlernen“, lese ich wieder verstärkt. Aus ursprünglich gezwungener Disziplin ist inzwischen Spaß geworden. Das mag doof klingen, aber ich habe tatsächlich jahrelang kaum Bücher gelesen, die digitale Informationsbeschaffung hatte mich ziemlich im Griff. Und wenn man dann mehr in Fremdsprachen kommuniziert als in der eigenen Muttersprache und zudem kaum bis garnicht liest, verkümmert die Ausdrucksvielfalt. Als ich aus Rumänien zurückgekommen bin, war ich sprachbehindert im wortwörtlichen Sinne, ich habe rumgestottert, deutsche Begriffe und Wendungen wollten mir einfach nicht mehr einfallen und ich habe selbst einfache Sätze bis zu dreisprachig zusammengewürfelt. In Russisch Didaktik habe ich gelernt, dass man Fremdsprachen am besten durch das Ansprechen verschiedener Wahrnehmungskanäle lernt: hören, sprechen, sehen, lesen, schreiben. Und nun ja, es gilt nicht nur für Fremdsprachen… also, Lesen hilft! ;)

Ein Buch, das ich aktuell lese und sehr empfehlen kann, ist „Mein Leben in Bhutan“ von Jamie Zeppa, das einem die Augen öffnet über ein weitgehend unbekanntes Kleinod unserer großen Welt und ganz bestimmt Fernweh weckt. Auch sehr lesenswert: „Warum tötest Du, Zaid?“ von Jürgen Todenhöfer, in dem er über seine Undercover-Recherchen zum Irakkrieg schreibt, über Zivilschicksale und über Aspekte des Terrorismus, die in der internationalen Medienberichterstattung ausgeblendet werden.

Soviel für heute aus dem ganz normalen Alltag einer ganz normales Studentin. :)
Schalten Sie wieder ein, wenn es heißt… ach ne, falscher Film hier.

Schönen Abend und ein gesundes neues restliches Leben :P
Elli

Ein Kommentar zu “Moin, ich arbeite hier als Titel. Und selbst so?”

  1. Fehd Zidane

    hallo Elli,
    Ich fand deinen Tagesablauf sehr interessant und fühlte mich irgendwie daran beteiligt,was mir noch mehr lust gab alles aufmerksam zu lesen.ich find es toll viele sprachen möglichst zu lernen,dadurch fühlt man sich richtig stark und mutig.Ich rede aus eigener Erfahrung.Englisch ist ja Pflicht und die restlichen Sprachen sind halt ein dickes Bonus.
    Ich werde mir die von dir empfohlenen Bücher holen oder ausleihen, die Medien haben mich ebenso fest im griff,möchte das aber bald ändern.
    genieße die Uni Zeit und den Ferien.bis bald.
    Fehd.