Erstsemester-Blog

Jessica Köske (Ersti 2009)Jessica Köske (Ersti 2009)  |  26. Juli 2010, 11:02

Blume spec. vs. Leidensbereitschaft

Letzte Woche war es so weit, ich war beim Flora & Fauna Kurs an der Küste. Das Kurs findet in dem Forschungszentrum Terramare in Wilhelmshaven statt.

In den ersten drei Tagen haben wir Krebstiere, Muscheln und Ringelwürmer bestimmt. Die letzten beiden Tage galten dann den Pflanzen, genauer gesagt den Blütenpflanzen, die auch an der Küste vorkommen.

Muscheln konnten wir direkt über schon gesammelte Muschelschalen bestimmen, am zweiten Tag sind wir dann ins Watt bei Schillig gefahren um Krebstiere und Ringelwürmer auszugraben. Das Sediment wird gesiebt und so kommt man ganz leicht an die kleinen Tierchen.  Die Tiere werden allerdings in Alkohol “eingelegt” und damit abgetötet, weil man sie sonst nicht bestimmen kann.

Aussieben von Wattsedimenten

Wurm mit ausgetülptem Pharynx unter Binokular

Das Wetter war super, allerdings haben wir uns auch ein wenig ins schlickige Watt gewagt, wo laufen schwierig wurde. Ich kam mit meinen Gummistiefeln nicht gut voran, weil ich immer rausgerutscht bin. Wir sollten allerdings auch nicht barfuß laufen, weil sich aus der Gruppe vorherige Woche ein paar Leute dadurch die Füße entzündet haben (mein Beileid…).

Da komme ich auch gleich auf die “hohe Leidensbereitschaft” zusprechen, die uns immer wieder gepredigt wurde. Ein Zuckerschlecken war es wirklich nicht, bei hohen Temperaturen fast den ganzen Tag im Seminarraum zu sitzen und ein Tier/Pflanze nach dem anderen zu bestimmen oder alle zwei Meter im Watt stecken zu bleiben (war aber zum Glück nur ein kleiner Teil des Weges).

Wir konnten aber alle diese Leidensbereitschaft ganz gut aufbringen, haben viel gelernt und es hat  Spaß gemacht. Das Wetter war meist so schön, dass ich in den Pausen am Strand lag. Wenn man im Terramare übernachtet hat, konnte man abends immer schwimmen gehen :)

Wasser

Pflanzen haben wir teilweise im Watt und auf den Dünen in Schillig schon kennengelernt. Wir sind  aber noch zu einem Salzwiesenlehrpfad (der logischerweise in einer Salzwiese ist) gefahren und haben uns dort ein paar Pflanzen angeschaut und uns mit wissenschaftlichen Namen berieseln lassen ;)

Der Queller hats mir besonders angetan. Ein sehr unscheinbares und wenig differenziertes Gewächs, schmeckt aber herrlich nach Salz – lecker!

In der Salzwiese durften wir wieder mit all unseren Sinnen lernen. Riechen, fühlen, Blattunterseiten anlecken und ganze Pflanzen essen. Angucken natürlich auch.

Der Queller (Kaktusähnliches, dickfleischiges Gewächs)

Stranddistel auf einer Düne in Schillig

Die Bestimmung der Pflanzen war meist etwas komplizierter, weil die einzelnen Blüten einer Pflanze teilweise so klein sind, dass man sie mit bloßem Auge gar nicht sieht.

Wenn man dann mühsam mit Binokular und Pinzette hantierte und trotzdem nichts sehen konnte, dann wich die Leidensbereitschaft kurzeitig dem “Blume spec. und fertig!” (Spec. benutzt man, wenn man eine Art nicht näher bestimmen kann oder es bedeutungslos ist).

Im Endeffekt haben wir alle Arten bestimmt, es waren auch nette Tutorinnen dabei, die uns sehr geholfen haben und ich fühle mich mittlerweile in der Lage auch selbst mal die ein oder andere Pflanze oder das ein oder andere Tier zu bestimmen. Zu dem Zweck war ich auch schon in der Bibliothek um mir Bestimmungsbücher auszuleihen.

Es hat  Spaß gemacht, wenn es auch anstrengend war, aber die Freude überwiegt, wenn man tatsächlich bei der richtigen Art angekommen ist.

Mir hat es jedenfalls so gut gefallen, dass ich gerne in der Richtung weiter machen möchte. Ich kann jetzt nur über den Bestimmungskurs an der Küste sprechen (es gibt ja auch noch den im Binnenland) und der war wirklich toll. Danke!

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