Erstsemester-Blog

Jessica Köske (Ersti 2009)Jessica Köske (Ersti 2009)  |  16. Dezember 2009, 18:57

Von “Zwangsanstalten für akademische Halbbildung”

Bisher hatte ich eigentlich gar keine Gelegenheit mich am Streik zu beteiligen (in Wechloy ist ja auch kein Hörsaal besetzt…), aber heute war die öffentliche Senatssitzung und ich wollte zu gern sehen, was sich ergeben hat… also habe ich Mathe ausfallen lassen ;)

Erst einmal das:

Uni Streik

Die wohnen da! Ich hab’s im Fernsehen von anderen Unis gesehen, dass dort geschlafen und gegessen wird, aber in Oldenburg? Nääää, das kann doch nicht. Ist aber wohl so ;)

Zur Sitzung muss ich leider vorneweg schonmal sagen, dass ich nicht sehr lange dort war (zu Bio wollte ich wieder zurück sein). Erst einmal musste der Senat den Raum wechseln, weil der eigentlich Sitzungsraum wohl arg voll geworden wäre mit den ganzen interessierten Studenten. Dann endlich angekommen ging es auch bald los.

Das Kanzlerduell ist ein Witz dagegen! (Das Diesjährige war ja eh zum Einschlafen) Der Senat bzw. die Professoren versuchen immer zu schlichten, vielleicht auch ein bißchen schönzureden, so tief stecke ich in der Materie nicht drin, als dass ich mir da ein richtiges Urteil erlauben will. Aber, die Studenten teilen ordentlich aus. Es war sehr mitreißend wie manch einer sich immer wieder zu Wort meldete und mit nicht enden wollenden Protestreden immer wieder tosenden Beifall oder zumindest weitverbreitetes “Händewackeln” auslöste. (Man wackelt mit den Händen über dem Kopf, so ähnlich wie Winken, aber warum? Weil es leise ist? Könnte sein)

Ich war so lange da, dass ich immerhin noch die Abstimmung des Senats über die Abstimmungsvorgehensweise (alle Punkte nach der Reihe, oder die “einfachen” zu erst) mitbekommen habe. Wobei ich es allerdings belustigend fand, dass man über so etwas abstimmt. Typisch Deutschland, irgendwie.

Das Zweite, was ich noch mitbekommen habe war, dass kein Modul ein anderes Modul voraussetzen darf in Zukunft und dass es keine Vorausleistungen mehr geben darf um zu einer Prüfung zugelassen zu werden.

Der größte Streitpunkt war eigentlich die Anwesenheitpflicht. Ich bin eher davon ausgegangen, dass dies ein “einfacher” Punkt ist. Aber da konnten sich Professoren und Studenten einfach nicht einig werden. Die Studenten fordern die Abschaffung jeglicher Anwesenheitspflicht, weil Studenten eigenverantwortlich lernen sollen/wollen. Professoren wiederum sehen in der Anwesenheitspflicht z.B. den Ersatz für eine Prüfung (wie in unserem Falle in der Veranstaltung “Einführung in die Umweltwissenschaften”).

Ich persönlich sehe den Sinn einer Anwesenheitspflicht nur bei Praktika. Wenn man da nie hingeht, dann kann man auch nicht bescheinigt bekommen, dass man beispielsweise chemische Analysen durchführen kann. Aber was nützt die Anwesenheitspflicht in einer Veranstaltung in der eh keine Klausur geschrieben wird? Die meisten Studenten sitzen nur ihre Zeit ab, Spaß macht das nicht.

Zwei Dinge muss ich jetzt auch mal kritisieren:

1. Wir haben Anwesenheitspflicht in einer Vorlesung, aber laut Senat gibt es Anwesenheitspflichten in Vorlesungen gar nicht. Ausserdem gibt es Anwesenheitspflicht im Master angeblich gar nicht mehr. In unserer Vorlesung sitzen aber auch Masterstudenten und die haben auch Anwesenheitspflicht, obwohl sie sogar eine Klausur in dem Modul schreiben.

2. Finde ich es nicht gut Anwesenheitspflicht in einer Veranstaltung zu haben, die 2 Stunden Vorlesung und danach noch 1 Stunde Seminar beinhaltet, am Freitag nachmittag – und dann rattern die Professoren teilweise einfach drei Stunden irgendeinen Stoff runter. Ehrlich, ich höre da nicht zu. Seminar sollte eigentlich zum Diskutieren/Reden sein, aber viele machen einfach eine dreistündige Vorlesung daraus.  Und zum Diskutieren sind wir eigentlich eh zu viele, fast 70 Leute.

So, das ist mein (vorläufiger) Beitrag zum Streik!

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