Erstsemester-Blog

Jessica Köske (Ersti 2009)Jessica Köske (Ersti 2009)  |  28. April 2011, 11:24

Willkommen in der chemischen Strafanstalt!

Ich habe wohl das falsche Labor (wir wurden aufgeteilt) erwischt, denn so habe ich mich im organischen Chemiepraktikum gefühlt.

Zu Anfangs wurde erstmal geklärt: Wer zu spät kommt, fliegt raus und muss den Versuch am nächsten Tag nachholen. Dann gab’s eine lange Liste von Verboten und Vorschriften und Kontaktlinsenträger wurden gebeten SOFORT eine Brille zu tragen. Hätte mir das Jemand vorher gesagt, dann hätte ich sie auch dabei gehabt ;)

Nach diesen ganzen Ansagen war die Lust auf Praktikum irgendwie verschwunden. Es kam ja aber noch schlimmer. Wir wurden jeden morgen zu den Versuchen des Tages abgefragt (= Kolloquium). Also saß ich jeden Abend nach dem Labortag (bis ca. 17 Uhr, manchmal auch schon 15 Uhr) noch mindestens drei Stunden mit Buch, Internet und Skript und habe versucht mir irgendwie den Reaktionsmechanismus aus den Fingern zu saugen, den ich am nächsten Tag auswendig runterbeten musste.

Wenn das Kolloquium nicht bestanden war, dann durfte man an dem Versuch nicht teilnehmen. Die Lehramtstudenten Chemie, die mit uns am Praktikum teilgenommen haben, müssen noch eine mündliche Prüfung dazu machen. Da will ich gar nicht abstreiten, dass Kolloquium sinnvoll ist. Für uns fand ich es etwas übertrieben. Es ist wichtig zu wissen, was man tun soll und worauf man achten muss. Aber jeden Schritt in einem Reaktionsmechanismus auswendig können, das ist sowieso nur Bulimie-Lernen…

Hinzu kam dann noch, dass wir teilweise die Reaktionen gar nicht kannten, da wir nur an der Hälfte der Vorlesung teilgenommen hatten. Wer also Lust dazu hat, sollte vielleicht die gesamte Vorlesung hören, kann nicht schaden.

Während der Versuche mussten wir dann auch noch die Protokolle schreiben, die jeden Abend bis 18 Uhr abgegeben werden mussten. Wenn sie nicht in Ordnung waren, musste man sie am nächsten Tag vor dem nächsten Versuch korrigieren, sonst konnte man nicht am nächsten Versuch teilnehmen.

Zwei Wochen Strafanstalt für 3 KP. Die Lehramtsstudenten bekommen 6 KP, wegen der mündlichen Prüfung. Irgendwie fehlt mir da das Verhältnis. Im letzten Praktikum hatte ich eine Woche Spaß für 6 KP, in diesem zwei Wochen kaum Spaß für 3 KP.

So, zum positiven Teil ;) Mir ist übrigens auch klar, dass man gewisse Regeln braucht, nur wie diese umgesetzt wurden und dass wir als UWIs wieder nur irgendetwas Zusammengewürfeltes bekommen, das stört mich.

Die Versuche ansich fand ich gut. Wir haben z.B. Aspirin,  Seife und Fluorescein hergestellt, Dünnschichtchromatographien gemacht, Schmelzpunkte bestimmt und Koffein extrahiert. Gelernt habe ich schon einiges und die Arbeit im Labor hat mir auch Spaß gemacht. Es gab sehr nette Tutoren mit denen wir viel Spaß hatten. Die UWIs haben fest zusammen gehalten, das hat viel zum Spaß und Durchhalten beigetragen – DANKE ;)

Die Herstellung von Aspirin habe ich zumindest teilweise dokumentiert:

Aspirin im Büchnertrichter

Filtrieren des hergestellten Aspirins

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So, nun kann ich leider nur 2 von 5 Reagenzgläsern vergeben ;) Für dieses Praktikum sollte man Spaß haben an Laborarbeit, sonst wird es wirklich schwierig die zwei Wochen zu überstehen.

4 Kommentare zu “Willkommen in der chemischen Strafanstalt!”

  1. R0man

    Hey Jessica!

    Ich kann deine Kritik absolut nachvollziehen – musste auch schon durch dieses Praktikum. Aber da du ja keine mündliche Prüfung ablegen musst, verpasst du den eigentlich wirklich willkürlichen Teil (sei froh). Kurz zusammengefasst:

    Protokolle wurden mir vereinzelt nicht testiert weil angeblich Fehler in den Reaktionsmechanismen waren. Mir wurden Verbesserungsvorschläge auf einem Notizzettel gegeben, die ich aber in ihrer Richtigkeit anzweifeln musste. Auf Nachfrage wurde mir gesagt das wenn ich die Korrektur nicht entsprechend der (sogar offensichtlich falschen) Notiz vornehmen würde, könnte man mir das Protokoll auch nicht testieren. Ich habe also die falsche Verbesserung vorgenommen, bekam das Protokoll testiert und durfte mit meinen Protokollen (inkl. testierter falscher Mechanismen) dann in die mündliche Prüfung. Ich erspare mir eine Beschreibung des Prüfungsgesprächs. Wie so eine Prüfung aussieht lässt sich erahnen, wenn man mit lauter falschen Reaktionsmechanismen vor dem Prof. sitzt und als einzige Erklärung angeben kann: “Das musste ich so hinschreiben”.

    Insgesamt war das OC-Praktikum das schlechteste Praktikum meines gesamten Studiums. Kann da nur 1 von 5 Reagenzgläsern vergeben (0 ist leider nicht möglich) ;-)

  2. Jessica Köske (Ersti 2009)

    Hi Roman :)

    Vielen Dank für dein Feedback. Schön zu hören, dass ich nicht die einzige bin, die das so sieht. Bei dir war es natürlich noch schlimmer, da bin ich doch sehr froh, dass ich nicht zu den Chemiker gehöre ;) .
    0 von 5 Reagenzgläsern soll mal erlaubt sein. Wir sind hier ja nicht bei einem bekannten Internetversandhandel ;) .
    Dann kann ich ja jetzt hoffen, dass ich das Schlimmste auch schon hinter mir habe. Es gibt doch immer wieder etwas positives.

    Weiterhin alles Gute!

  3. Andrea

    Hi Jessica,

    oh je, dein Bericht von diesem Praktikum klingt wirklich nicht so besonders angenehm. Aber ich denke, es handelt sich dabei um eine Ausnahme von den schönen Seiten des Studiums, oder?

    Nun habe ich auch noch eine Frage an dich. Du hast ja zu Anfang deines Studiums (und deines Blogs) deinen Stundenplan hier eingestellt und der war ja schon ziemlich voll. Wie ist das denn jetzt so, wo du die ersten drei Semester überstanden hast? Ist dein Stundenplan nach wie vor so voll?
    Wenn ich nämlich mal das Studium der Umweltwissenschaften beginnen sollte, so müsste ich eigentlich nebenbei arbeiten gehen (wegen der Studiengebühren etc.). Dass das in den ersten Semestern kaum möglich ist, konnte ich an deinem Stundenplan gut erkennen. Aber wie ist das in den höheren Semestern?

    Viele liebe Grüße und alles Gute!
    Andrea

  4. Jessica Köske (Ersti 2009)

    Hi Andrea,

    das Praktikum ist natürlich eine Ausnahme. Es gibt immer Veranstaltungen, die einem nicht gefallen. Grundsätzlich haben mir die Versuche ja auch Spaß gemacht, nur das Drumherum nicht :)

    Ich habe jetzt nur zwei Vorlesungen und aus dem PB-.Bereich zwei Veranstaltungen. Ich arbeite seit dem zweiten Semester auch schon wieder. Das klappt ziemlich gut, aber auch nur, weil wir dann in den Semesterferien hauptsächlich die Praktika haben.

    LG :)