Erstsemester-Blog

Julia SchröderJulia Schröder  |  22. Oktober 2009, 17:51

Juhu – endlich fängt die Uni an… Naja oder doch nicht

Ja, wie lang hab ich mich auf meine erste Uni-Woche gefreut. Neue Leute, viel neues zu lernen, endlich einen Einblick in das “gehobenere” Schulleben kriegen.

Montag gehts los. Hey, heut ist mein Geburtstag! Nach einigen verpassten Bussen und Zügen komme ich zuhause in Oldenburg an (liest sich komisch – zuhause in Oldenburg) , im Gepäck meinen neuen Wasserkocher und mein neuer Toaster. Endlich! Ich frage mich noch heute wie ich zwei Wochen ohne ausgekommen war. Zuhause (und damit meine ich mein 18 m² Wohnklo – inklusive Badezimmer!) überfiel mich dann ein wenig Traurigkeit. Mein erster Geburtstag ohne Familie, ohne Freunde und ohne meinen Freund. Komisches Gefühl, so ganz auf sich selbst gestellt zu sein. Ich wohne zwar schon seit zwei Jahren nicht mehr im Hotel Mama und habe in dieser Zeit auch gelernt wie man die Waschmaschine bedient (ich glaube wenn meine Mutter das lesen würde, würde sie eine Träne des Stolzes nicht unterdrücken können :D ), aber so ganz allein, wirklich total allein, das musste ich noch nie sein.

Individuum und Gesellschaft, so heißt meine erste Vorlesung. Klingt super interessant. Ist es auch. Und vor allem der Dozent ist super witzig und macht die 390 Leute Vorlesung durchgehend spannend, interessant und lustig. Wie ein charmanter Moderator läuft er durch den Hörsaal, ein Mikrofon in der Hand, das Publikum mit einbeziehend, immer einen kleinen Witz parat. Wow, dachte ich… Wenn das immer so ist, dann werd ich keine Vorlesung jemals sausen lassen. Ich muss zugeben: So toll hatte ich mir das ganze eigentlich nicht vorgestellt. Umso besser!
Nach knapp zwei Stunden war es dann vorbei. Schade eigentlich.
Nun hatte ich meine erste richtige Vorlesung hinter mir und war auf dem Weg zur Bushaltestelle. Die gefühlten zweitausend Menschen die dort warteten, konnten meiner Euphorie keinen Abbruch leisten.
Erst als ich drei Busse an mir vorbeifahren lassen musste, weil kein Platz mehr war, war meine Stimmung etwas gedämpfter als zuvor.
Drei Haltestellen weiter und mit einem beginnenden Kratzen im Hals habe ich meinen Bus gekriegt und durfte endlich nachhause.

Abends haben sich meine neuen Bekanntschaften und ich dann im Patio getroffen, um meinen Geburtstag zu feiern. Und es kamen mehr Leute als erwartet. Sogar Felix, den ich in der Vorlesung vor vier Stunden kennen gelernt hatte, kam. In diesem Moment war mir klar, dass man nie allein ist als Student und dass man immer Leute um sich haben wird wenn man einigermaßen umgänglich ist. Meine Traurigkeit vom Vormittag war vergessen. Danke an alle die gekommen sind und mich nicht so sehr haben spüren lassen, dass ich ohne Familie und Freunde feiern musste :)

Wie der Zufall so will, wurde ich noch in der gleichen Nacht krank. Volles Programm. Husten, Schnupfen, Fieber und andere Details, die ich euch aber gern ersparen möchte ;)
Zur Übung am Dienstag hab ich mich dann noch gequält. Immerhin ist das die erste Woche, da kann man natürlich nicht fehlen und womöglich schon jetzt seinen Ruf verlieren.
Spätestens danach hab ich diese Entscheidung aber tierisch bereut und jegliche Motivation verloren zur nächsten Vorlesung zu gehen.

Tja nun, drei Packungen Taschentücher, zwei schlaflose Nächte und ein Arztbesuch weiter liege ich lethargisch im Bett herum, jammere wie ein kleines Kind (die Schweinegrippe-Panik hab ich mittlerweile auch aufgegeben) und vertreibe mir die Zeit mit einem Greys Anatomy Marathon.
Bis Mittwoch bin ich krankgeschrieben, also verpasse ich gut eineinhalb Wochen Uni. Typisch Julia. Irgendwie…

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